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Abfindung & Aufhebungsvertrag

Wie Aufhebungsvertrag und Abfindung das Arbeitslosengeld beeinflussen

Aufhebungsvertrag und Abfindung beeinflussen Sperrzeiten und Bezug von Arbeitslosengeld
Aufhebungsvertrag und Abfindung: Auswirkungen auf Arbeitslosengeld sichern

⏱ 14 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

  • Aufhebungsvertrag kann Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld auslösen.
  • Abfindung wird nicht auf Arbeitslosengeld angerechnet.
  • Arbeitslosengeldzahlung kann bei Abfindung ruhen.
  • BSG-Urteile klären Sperrzeiten und Ruhen differenziert.
Fakten auf einen Blick

  • Sperrzeit: bis zu zwölf Wochen
  • Bundessozialgericht (BSG) ist maßgebliche Instanz

✓ Redaktionell geprüft und freigegeben.

Aufhebungsvertrag Abfindung Arbeitslosengeld genau beeinflusst – insbesondere im Hinblick auf Sperrzeiten, Ruhen des Anspruchs und die Anrechnung der Abfindungssumme. Dabei sind aktuelle Rechtsprechungen und gesetzliche Änderungen ausschlaggebend, um finanzielle Nachteile zu vermeiden.

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Anders als eine reguläre Kündigung kann ein Aufhebungsvertrag schnell zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führen, wenn die Vertragsparteien die Kündigungsfristen nicht einhalten. Gleichzeitig wird die Abfindung nicht automatisch auf das Arbeitslosengeld angerechnet, doch besteht oft ein Ruhen des Leistungsbezugs, wenn Abfindungen als Ersatz für entgangene Ansprüche gelten. Auch Freistellungen und betriebliche Restrukturierungen rücken in diesem Kontext stärker in den Fokus.

Um den Übergang von Beschäftigung zu Arbeitslosigkeit finanziell optimal zu gestalten, ist es essenziell, die Unterschiede von Sperrzeit, Ruhen und Anrechnung bei Aufhebungsvertrag Abfindung Arbeitslosengeld genau zu verstehen. Nur so lassen sich unerwartete Gelderverluste vermeiden und zugleich steuerliche sowie sozialversicherungsrechtliche Folgen besser steuern.

Wie beeinflusst ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung meinen Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung kann den Anspruch auf Arbeitslosengeld erheblich beeinflussen, vor allem durch mögliche Sperrzeiten oder Leistungssperren. Entscheidend ist, ob die Beendigung als „eigene Lösung“ gilt und ob durch die Abfindung eine Ruhezeit oder Sperrzeit beim Arbeitslosengeld eintritt.

Wann gilt ein Aufhebungsvertrag als „eigene Lösung“ und führt zur Sperrzeit?

Ein Aufhebungsvertrag wird in der Regel als „eigene Lösung“ gewertet, wenn der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis ohne zwingenden Grund beendet und dadurch selbst für die Arbeitslosigkeit verantwortlich ist. In solchen Fällen verhängt die Bundesagentur für Arbeit eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen, in denen kein Arbeitslosengeld gezahlt wird. Ausnahmen bestehen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, etwa gesundheitliche Einschränkungen oder eine erhebliche Minderung der Arbeitsbedingungen. Die neue Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) betont jedoch, dass nicht jeder Aufhebungsvertrag automatisch eine Sperrzeit auslöst, wenn etwa betriebliche Restrukturierungen vorliegen oder arbeitsrechtlicher Druck durch den Arbeitgeber besteht.

Welche Rolle spielt die Abfindung bei der Berechnung und Auszahlung des Arbeitslosengeldes?

Grundsätzlich wird eine Abfindung nicht direkt auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Sie beeinflusst jedoch den Zeitraum, in dem Arbeitslosengeld gezahlt wird. So kann das Arbeitslosengeld ruhen, wenn die Abfindung als Ersatz für den Kündigungsschutzstreit oder als Übergangsleistung mit Bezug auf eine Zeitspanne gezahlt wird. Das bedeutet, die Agentur für Arbeit verschiebt den Beginn der Arbeitslosengeldzahlung um die Dauer, die die Abfindung abdeckt. Für die Berechnung der Höhe des Arbeitslosengeldes ist die Abfindung hingegen unerheblich, sie basiert auf dem vorherigen Einkommen. Praktisch führt das oftmals zu Verzögerungen beim Leistungsbezug, besonders bei größeren Abfindungen.

Aktuelle Rechtsprechung: BSG-Urteile zu Sperrzeiten und Ruhen beim Arbeitslosengeld

Das Bundessozialgericht hat in jüngeren Urteilen die Bewertung von Aufhebungsverträgen mit Abfindung präzisiert. Es stellt klar, dass eine Sperrzeit nicht automatisch verhängt werden darf, wenn ein wichtiger Grund für die Vertragsauflösung vorliegt oder bei betriebsbedingten Maßnahmen. Zudem wird strenger zwischen Sperrzeit und Ruhen des Anspruchs unterschieden: Während die Sperrzeit eine komplette Leistungssperre bedeutet, verschiebt das Ruhen nur den Zahlungsbeginn. Arbeitnehmer sollten deshalb bei Aufhebungsverträgen genau prüfen, ob der Vertrag eine ordnungsgemäße Einhaltung der Kündigungsfristen vorsieht und ob die Abfindung eine Übergangsersetzung darstellt, um Nachteile zu vermeiden. Diese Urteile sind vor allem bei betriebsbedingten Aufhebungsverträgen relevant, wie sie zum Beispiel bei Konzernumbauten oder Standortschließungen häufig vorkommen.

Tipp: Um eine Sperrzeit zu umgehen, sollte der aufhebende Vertrag eine sogenannte „wichtige Gründe“-Klausel enthalten und die Kündigungsfristen einhalten. Zudem empfiehlt es sich, zeitnah nach Vertragsende bei der Agentur für Arbeit die Arbeitslosigkeit anzuzeigen und die Auszahlung der Abfindung offen zu legen, um unbeabsichtigte Leistungsaussetzungen zu vermeiden.

Wie lassen sich Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld nach einem Aufhebungsvertrag mit Abfindung vermeiden?

Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld nach einem Aufhebungsvertrag mit Abfindung lassen sich vermeiden, wenn ein „wichtiger Grund“ für die Vertragsbeendigung vorliegt oder die Vereinbarung so gestaltet ist, dass keine freiwillige Aufgabe der Beschäftigung unterstellt wird. Eine fundierte Vertragsgestaltung und rechtzeitige Beratung sind dabei entscheidend.

Wann liegt ein wichtiger Grund vor, der die Sperrzeit ausschließt?

Ein wichtiger Grund, der eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld ausschließt, liegt insbesondere dann vor, wenn der Arbeitnehmer zur Vermeidung einer erheblichen gesundheitlichen Gefährdung kündigen muss oder wenn der Arbeitgeber mit einem vertragswidrigen Verhalten (z. B. Mobbing oder nicht gezahltem Lohn) Anlass gibt, den Aufhebungsvertrag abzuschließen. Auch betriebliche Restrukturierungen mit nachvollziehbaren wirtschaftlichen Zwängen, die einen Aufhebungsvertrag erforderlich machen, können als wichtiger Grund anerkannt werden. Das Bundesozialgericht (BSG) hat in aktuellen Urteilen betont, dass eine Sperrzeit entfällt, wenn der Arbeitnehmer die Kündigung nicht selbst herbeiführt, sondern die Beendigung auf drängendem Wunsch des Arbeitgebers erfolgt.

Praxisbeispiele: So können Arbeitnehmer Sperrzeiten umgehen

In der Praxis vermeiden Arbeitnehmer Sperrzeiten, indem sie vor der Unterzeichnung des Aufhebungsvertrags eine schriftliche Darstellung der Umstände verlangen, die den Vertrag aus Gründen höherer Gewalt notwendig machen. Beispielsweise kann ein Arbeitnehmer bei drohender Betriebsschließung oder Konzernumbau anhand von Dokumenten belegen, dass der Aufhebungsvertrag keine freiwillige Aufgabe der Arbeitsstelle bedeutet. Ebenso lässt sich eine Sperrzeit vermeiden, wenn der Vertragsschluss in Verbindung mit einer förmlichen Betriebsänderung oder Sozialplanregelung steht. Wichtig ist zudem, dass die vertraglichen Fristen eingehalten werden, um keine rückwirkenden Sperrzeiten wegen verfrühter Beendigung geltend zu machen.

Tipps zur Vertragsgestaltung und Verhandlung vor Unterzeichnung

Tipp: Lassen Sie den Aufhebungsvertrag vor Unterzeichnung von einem spezialisierten Anwalt prüfen, um unklare Klauseln, die auf eine Kündigung durch den Arbeitnehmer schließen lassen, zu vermeiden. Eine klare Formulierung, dass die Vertragsbeendigung auf Veranlassung des Arbeitgebers erfolgt war, kann im Falle einer Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit entscheidend sein. Zudem empfiehlt sich, die Abfindung getrennt vom Arbeitslosengeld zu verhandeln und darauf zu achten, dass die Abfindungszahlung nicht mit einer Sperrzeitbegründung verknüpft wird. Die Einhaltung der Kündigungsfrist und eine soziale Absicherung (Krankheit, Behinderung) während der Aufhebungsphase wirken sich ebenfalls günstig aus.

Wie wird eine Abfindung steuerlich behandelt und wie kann ich Steuern sparen?

Eine Abfindung aus einem Aufhebungsvertrag wird steuerlich als sonstige Einkünfte behandelt und kann mit der sogenannten Fünftelregelung günstiger versteuert werden. Dadurch lässt sich die Steuerprogression abmildern und die Steuerlast, gerade bei hohen Abfindungssummen, deutlich reduzieren.

Steuerliche Besonderheiten bei Abfindungen nach Aufhebungsvertrag

Im Gegensatz zum regulären Arbeitslohn werden Abfindungszahlungen nicht als laufendes Einkommen, sondern als einmalige Entschädigung behandelt. Sie fallen unter § 34 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes, der eine besondere Steuerbegünstigung für einmalige Zahlungen vorsieht. Dabei ist entscheidend, dass die Abfindung im Zusammenhang mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses steht. Die Zahlung wird nicht automatisch auf das Arbeitslosengeld angerechnet, aber steuerlich als einmalige Einnahme berücksichtigt, was vor allem bei hohen Summen zu einer hohen Steuerprogression führen kann.

Grundsätzlich sollte bei einem Aufhebungsvertrag genau geprüft werden, ob die Abfindung korrekt ausgewiesen wird, da falsche oder unklare Formulierungen zu unerwarteten steuerlichen Folgen oder Nachzahlungen führen können. Auch die zeitliche Zuordnung der Zahlung kann bei der Steuererklärung relevant sein, vor allem wenn sie sich über mehrere Jahre erstreckt.

Fünftelregelung und andere Möglichkeiten zur Steueroptimierung

Die Fünftelregelung ist das wichtigste Instrument zur Steuerersparnis bei Abfindungen. Sie wirkt, indem die Abfindung rechnerisch auf fünf Jahre verteilt wird und so die Progression glättet. Dabei wird die Einkommensteuer auf ein Fünftel der Abfindung berechnet, von der Steuer ohne Abfindung abgezogen und anschließend mit fünf multipliziert, was oft zu einer spürbar niedrigeren Steuerlast führt als bei der regulären Versteuerung im vollen Jahr.

Neben der Fünftelregelung können auch andere Strategien, wie die Verteilung der Abfindung auf aufeinanderfolgende Kalenderjahre oder der gezielte Einsatz von Sonderausgaben und Freibeträgen, helfen, die Steuerlast zu senken. Für Arbeitnehmer, die zum Beispiel noch hohe Altersvorsorgebeiträge leisten können oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen, ergeben sich dadurch zusätzliche Entlastungen.

Tipp: Ein Steuerberater kann im Rahmen einer individuellen Berechnung herausfinden, welche Kombination aus Maßnahmen den optimalen Steuervorteil bei der Abfindung bietet und ob eventuell das Ansetzen von Verlustvorträgen sinnvoll ist.

Fallstricke vermeiden: Steuerberatung für Abfindungen mit Auswirkung auf Arbeitslosengeld

Wer eine Abfindung aus einem Aufhebungsvertrag erhält, sollte unbedingt einen Steuerberater hinzuziehen – vor allem, wenn die Höhe der Zahlung die Bemessungsgrundlage für das Arbeitslosengeld beeinflussen könnte. Falsche Angaben oder fehlerhafte Steuerberechnungen können nicht nur zu Nachzahlungen führen, sondern auch zu Problemen bei der Agentur für Arbeit, zum Beispiel bei der Festsetzung der Sperrzeit oder beim Ruhen des Anspruchs.

Ein häufiger Fehler ist, die Abfindung in der Steuererklärung entweder falsch zu deklarieren oder die Fünftelregelung nicht anzuwenden, obwohl sie möglich wäre. In Kombination mit den komplexen Regeln zum Arbeitslosengeld nach Aufhebungsvertrag mit Abfindung können so ungewollte finanzielle Nachteile entstehen. Gerade in Fällen, in denen das Arbeitslosengeld zeitlich befristet oder gekürzt ist, empfiehlt sich eine präzise Planung der Steuerstrategie und eine genaue Dokumentation aller Zahlungen und Verträge.

Weitere Informationen zur Fünftelregelung und aktuellen Rechtsprechungen finden Sie unter bundesfinanzministerium.de und bei der Bundesagentur für Arbeit.

Was ist der Unterschied zwischen Sperrzeit, Ruhen und Anrechnung der Abfindung auf das Arbeitslosengeld?

Die Sperrzeit ist eine zeitlich begrenzte Leistungskürzung beim Arbeitslosengeld wegen eigenverantwortlicher Arbeitsaufgabe, während das Ruhen die vollständige Aussetzung des Anspruchs während eines bestimmten Zeitraums bedeutet. Die Anrechnung der Abfindung selbst führt hingegen nicht zur Kürzung des Arbeitslosengeldes, sondern beeinflusst nur in bestimmten Fällen den Leistungsanspruch.

Definition und Unterschied der Begriffe auf einen Blick

Die Sperrzeit tritt in der Regel ein, wenn ein Arbeitnehmer durch einen Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund die Beschäftigung beendet und dadurch das Bundesagentur für Arbeit eine Sanktion von bis zu 12 Wochen verhängen kann. In dieser Zeit erhält der Betroffene kein Arbeitslosengeld. Das Ruhen beschreibt eine dauerhafte oder vorübergehende Aussetzung des Anspruchs, wenn Parallelleistungen oder eine Abfindung eine zeitlich befristete Überbrückung darstellen, etwa bei Abfindungen, die für einen bestimmten Zeitraum den Lebensunterhalt sichern. Die Abfindung selbst wird nach geltender Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet, da sie keine laufende Leistung ersetzt, außer wenn sie als Vorauszahlung für den Zeitraum nach Beginn der Arbeitslosigkeit interpretiert wird.

Wie wirkt sich jede dieser Regelungen praktisch auf den Leistungsbezug aus?

Die Sperrzeit führt zu einem direkten und kurzfristigen Entzug des Arbeitslosengelds, was häufig bei Aufhebungsverträgen vorkommt, die ohne sorgfältige Verhandlung abgeschlossen wurden. Beispielsweise kann eine nicht eingehaltene Kündigungsfrist im Vertrag eine Sperrzeit auslösen, die den Leistungsbezug um bis zu 12 Wochen verzögert. Im Gegensatz dazu sorgt das Ruhen dafür, dass der Anspruch zunächst nicht besteht, aber nach Ablauf der Überbrückungszeit wieder aufgenommen wird. Bei Zahlungen aus einer Abfindung wird praxisnah oft ein Zeitraum ermittelt, für den der Betrag „überbrückt“, und in dieser Zeit ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld. Nur wenn die Abfindung explizit für die Zeit nach der Arbeitslosigkeit gezahlt wird, kann sie eine Anrechnung auf das Arbeitslosengeld nach sich ziehen.

Beispiele und Fallstudien aus der aktuellen Gesetzeslage und Rechtsprechung

Ein aktuelles Urteil des BSG stellt klar, dass eine Sperrzeit entfällt, wenn ein wichtiger Grund für den Aufhebungsvertrag vorliegt, etwa betriebsbedingte Restrukturierungen oder drohende Kündigungen. So konnte ein Arbeitnehmer, der aufgrund eines Sozialplans mit Abfindung ausscheidet, seine Sperrzeit vermeiden, was bei zahlreichen Restrukturierungen 2026 eine bedeutende Rolle spielt. Ein anderes Beispiel zeigt, wie eine hohe Abfindung, die einen Zeitraum von sechs Monaten abdeckt, zum Ruhen des Arbeitslosengeldanspruchs für genau diesen Zeitraum führt, danach der Anspruch in voller Höhe wieder beginnt. Dieses Vorgehen verhindert, dass Abfindungen durch die Bundesagentur für Arbeit «zweifach» als Einkommen und als Ersatz für Arbeitslosengeld behandelt werden.

Achtung: Im Aufhebungsvertrag sollte immer geregelt werden, ob die Abfindung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes oder als Vorauszahlung für den Ruhenszeitraum dient. So lassen sich unnötige Sperrzeiten und finanzielle Einbußen vermeiden. Ebenso empfiehlt es sich, vor Unterzeichnung juristischen Rat einzuholen, um die Folgen für das arbeitslosengeld bei aufhebungsvertrag mit abfindung optimal zu gestalten.

Weiterführende Informationen und aktuelle Gesetzeslagen bietet die Bundesagentur für Arbeit unter arbeitsagentur.de sowie das Bundessozialgericht unter bsg.bund.de.

Welche Auswirkungen haben betriebliche Restrukturierungen und Freistellungen auf Arbeitslosengeld nach Aufhebungsvertrag und Abfindung?

Betriebliche Restrukturierungen und Freistellungen führen oft zu komplexen Folgen beim Arbeitslosengeld nach Aufhebungsvertrag mit Abfindung: Sozialpläne und Massenentlassungen können die Sperrzeiten beeinflussen, während Freistellungen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch haben und individuelle Beratung unverzichtbar machen.

Besonderheiten bei Massenentlassungen und Sozialplänen

Bei Massenentlassungen greifen häufig Sozialpläne, die Abfindungen und andere Ausgleichsleistungen regeln. Auch wenn eine Abfindung normalerweise nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet wird, kann der Abschluss eines Aufhebungsvertrags ohne Einhaltung der Kündigungsfristen zu einer Sperrzeit führen. Das Bundessozialgericht (BSG) hat jüngst präzisiert, dass in Fällen mit Sozialplan besonderen Prüfungskriterien gelten: Eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld kann unterbleiben, wenn der Aufhebungsvertrag im Rahmen einer Restrukturierung erfolgt und keine vorsätzliche Eigenkündigung vorliegt. Beispiele aus Großbetrieben zeigen, dass die sorgfältige Dokumentation des Sozialplans und der Verhandlungsprozesse entscheidend ist, um Sanktionen zu vermeiden.

Wie sich Freistellungen auf den Leistungsanspruch auswirken

Freistellungen sind ein häufiger Bestandteil von Restrukturierungsmaßnahmen und können den Leistungsanspruch erheblich beeinflussen. Während einer bezahlten Freistellung führt die Bundesagentur für Arbeit die Sperrzeitprüfung durch, wobei ein wichtiger Faktor die Frage ist, ob die Freistellung als Arbeitszeit gilt oder nicht. Eine Freistellung bei vollem Entgelt ohne Verpflichtung zur Arbeitsleistung kann als Anknüpfungspunkt für eine Sperrzeit dienen, besonders wenn ein Aufhebungsvertrag vorliegt. Andererseits wird eine sogenannte „Anrechnungssperrzeit“ auch dann möglich, wenn die Freistellung zu einer zeitlichen Kollision mit dem Meldetermin führt. Arbeitnehmer sollten hier genau prüfen, wie sich die Entgeltfortzahlung und Freistellungsregelungen auf den Beginn des Leistungsanspruchs auswirken.

Handlungsempfehlungen für Arbeitnehmer in Restrukturierungsphasen

Tipp: Arbeitnehmer sollten unbedingt vor Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrags in Restrukturierungssituationen prüfen lassen, ob der Vertrag sozialplanbedingt ist und ob Fristen eingehalten werden. Eine Beratung durch Fachanwälte oder Beratungsstellen für Arbeitsrecht kann Sperrzeiten verhindern und helfen, die Abfindung steuerlich optimal zu gestalten. Es empfiehlt sich, eine Freistellung auch schriftlich genau zu regeln: Arbeitslosmeldung und Meldetermine müssen strikt eingehalten werden, um Leistungsausfälle zu vermeiden. Betriebsbedingte Freistellungen sollten dokumentiert und mit der Bundesagentur für Arbeit abgestimmt werden, um Leistungsansprüche abzusichern. Nur so lässt sich die komplexe Verbindung zwischen Aufhebungsvertrag, Abfindung und Arbeitslosengeld nach Restrukturierungen optimal steuern.

Fazit

Ein Aufhebungsvertrag in Verbindung mit einer Abfindung kann das Arbeitslosengeld erheblich beeinflussen, insbesondere durch mögliche Sperrzeiten und die Anrechnung der Abfindung auf das ALG. Es ist deshalb entscheidend, die individuellen finanziellen und beruflichen Umstände sorgfältig abzuwägen und vor Vertragsabschluss eine professionelle Beratung, etwa durch eine Arbeitsrechts- oder Sozialversicherungsexpertin, einzuholen. So lassen sich unerwünschte finanzielle Nachteile vermeiden und eine passgenaue Lösung für den nächsten Karriereschritt finden.

Häufige Fragen

Beeinflusst eine Abfindung durch Aufhebungsvertrag das Arbeitslosengeld?

Die Abfindung selbst wird nicht direkt auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Allerdings kann eine hohe Abfindung in Verbindung mit einem nicht eingehaltenen Kündigungsschutz zu einem Ruhen oder einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führen.

Wann entsteht eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld nach Aufhebungsvertrag mit Abfindung?

Eine Sperrzeit droht, wenn der Aufhebungsvertrag eigenverantwortlich ohne wichtigen Grund abgeschlossen wird und die Kündigungsfrist nicht eingehalten ist. Ein wichtiger Grund, etwa betriebsbedingte Veränderungen, kann die Sperrzeit verhindern.

Wie lässt sich eine Sperrzeit trotz Aufhebungsvertrag und Abfindung vermeiden?

Vermeiden lässt sich die Sperrzeit durch Nachweis eines wichtigen Grundes für den Aufhebungsvertrag, z. B. betriebliche Restrukturierung. Außerdem sollte die Kündigungsfrist eingehalten oder eine Freistellung rechtssicher geregelt werden.

Welche steuerlichen Folgen ergeben sich bei Abfindung im Zusammenhang mit dem Arbeitslosengeld?

Abfindungen sind steuerpflichtig, das kann zu höherer Steuerlast führen. Es ist wichtig, steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten zu prüfen, um Nachteile bei der Einkommensteuer zu minimieren und Sozialleistungsansprüche nicht zu gefährden.

Quellen

Verfasst von

Andreas Petersen deckt in der Redaktion die Schnittstelle von Recht und Wirtschaft ab. Seine Beiträge behandeln steuerliche und unternehmensbezogene Fragestellungen für ein breites Publikum.

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